Ramsi



Minnie (geboren wahrscheinlich 2003)





Minnie kam im Dezember 2004 ins Tierheim als "Wildkatze", warum und wieso weiß ich nicht. Da mir ein längerer Weihnachtsurlaub bevorstand, und ich Angst hatte, mich eventuell zu langweilen, kam ich auf die Idee, mich im Tierheim als Pflegestelle zu melden und tat das also. Das Mienchen wurde mir zum Zähmen zugeteilt, aber zunächst musste sie mal aus dem Freigehege heraus und in eine Transportbox. Hierzu waren 4 Menschen nötig, ich habe auch mitgeholfen, da Minnie sofort anfing, wie eine Irre herumzuflippen, als ihr klar wurde, dass wir etwas von ihr wollen. Schließlich wurde sie mit dem Netz gefangen, dann lies man sie in die Box plumpsen und musste sie noch aus dem Netz herauspulen, wobei sie noch ihre Krallen verletzt hat, was ziemlich blutete. Neh, das war hochdramatisch.
Zuhause angekommen machte Minnie sich zunächst unsichtbar. Nach ein paar Tagen fing sie an, sich in der allertiefsten dunklen Nacht durch die Wohnung zu bewegen. Als sie auf die Kater traf, gab sie ziemliche Urwaldgeräusche von sich, was zumindest BamBam nicht davon abhielt, sich sofort in sie zu verlieben. Ich veranstaltete Klickertraining mit Minnie unter dem Bett, wobei ich peinlich darauf achtete, mit meinen Händen nicht in ihre Reichweite zu kommen. Minnie ist so, und bleibt wohl auch so, dass sie ein relativ nervöses Tier ist, und wenn sie Angst hat, sofort anfängt, um ihr Leben zu kämpfen. Sie klinkt dann einfach aus.



Nach einiger Zeit kam sie zu den Fütterungszeiten in die Küche und lies sich auch relativ schnell streicheln. Dann hatte sie die lustige Angewohnheit, morgens am Bett herumzutanzen und in meine Hand zu beißen, was wohl heißen sollte "Steh endlich auf und mach mir mein Frühstück!". Leider kannte sie wohl keine Katzenklos, sie war die einzige meiner Katzen die das Prinzip nicht sofort und instinktiv erfasst hat, sondern wo uns nichts anderes übrig blieb als die Polstermöbel mit Malerplane abzudecken und auf jeden Ort, wo sie hinpinkelte, ein Klo zu stellen. Bis wir schließlich ca. 10 Klos in unsere 2-Zimmer-Wohnung stehen hatten. Irgendwann jedoch hatte sie es begriffen, das war eine Freude. Und ich konnte 7 Klos wieder abbauen.
Als dann zum ersten Mal der Papagei der Schwiegereltern zu Besuch war und sie ärgerte, pinkelte sie wieder auf's Sofa. Und auch dabei ist es geblieben. Wenn jemand meine Minnie ärgert, pinkelt sie auf das Sofa oder auf meine Seite vom Bett, denn ich bin bekanntermaßen an allem Schuld.



Minnie ist eine etwas einzelgängerische Katze, seit sie sich vorletztes Jahr mit BamBam verkracht hat und die alte Freundschaft offenbar nicht wieder aufnehmen möchte, obwohl die Ursache für den Krach längst vorbei ist. Ihren Ramsi himmelt sie noch von Weitem an. Mit Sunny hat sie sich arrangiert, aber Gismo, der Frauenschreck, darf sich in ihrem aktuellen Lieblingsraum lieber nicht blicken lassen. Immerhin stürzt sie sich mittlerweile auf ihn und verscheucht ihn, statt sich immer und immer wieder unterdrücken und ärgern zu lassen.



Momentan ist sie meistens im Wintergarten zu den Füßen von Zizous Gummibaum. Wenn ich morgens dort hineinkomme um sauberzumachen, muss sie erstmal gemütlich durchgeknuddelt werden. Und sie liebt es auch, gebürstet zu werden, was ein Geschenk des Himmels ist, da ihr Fell so drittellang und sehr dicht ist und sie sich von den anderen Katzen nicht mehr putzen lässt. Also muss ich ran. In den stillen Morgenstunden genießt sie das wahnsinnig. Das nächste Mal sehe ich sie dann, wenn ich abends schlafen gehe, dann kommt sie auf das Bett gehüpft und tanzt und schnurrt mir etwas vor.
Leider macht ihre zurückgezogene Lebensweise es sehr leicht, sie zu übersehen oder gar zu vergessen in stressigen Zeiten. Nach unserem Umzug hat sie hier jedes Loch ausgetestet, bis das Haus irgendwann katzensicher war. Zum Beispiel saß sie im Kamin, und wir haben sie stundenlang überall gesucht.
Am 12.5.2007 hatten wir eine große Einweihungsparty, und ich war, naja sagen wir mal - extrem aufgeregt. Während der Party hatten wir die Katzen im Obergeschoss mit einer selbstgebauten Tür eingesperrt, war kein Problem, niemand kam abhanden. Am nächsten Morgen hat eine Freundin ihr Gästezimmer gelüftet, indem sie ein Fenster sperrangelweit geöffnet hat und die Tür - immer noch war Minnie im Haus (wir haben sie lange gesucht, aber schließlich gefunden). Am Montag schließlich war ich kaputt und alle und kam langsam zur Ruhe. Es gab einen kleinen Sturm - ich schlief mich aus - und am Dienstag Mittag fiel mir auf, dass ich Minnie schon länger nicht mehr gesehen hatte. Also habe ich sie wieder mal gesucht. Keine Minnie. Nachmittags habe ich sie dann unter dem Gartenhaus gefunden. Der Sturm hatte das Katzenaußengehege verrückt und sie sie war davon marschiert.
Natürlich tat sie so, als ob sie mich nicht kennt. Ich hatte die Hoffnung, dass der Hunger sie abends wieder ins Haus treiben würde, aber nein, am nächsten Tag war sie ganz verschwunden. Ich fing also an, sie zu suchen und Aushänge zu schreiben.
Was man niemals tun sollte, wenn es sich um eine schwarz-weiße Katze handelt.
In der Folge meldeten sich nämlich unglaublich viele Leute, die Minnie an allen möglichen Orten gesehen haben wollten. Einmal war sie es wirklich, da saß sie mehrere Häuser weiter unter dem Gartenhaus und hat weiterhin so getan, als wenn sie uns nicht kennt.
2 Wochen lang haben wir jede Nacht nach ihr gesucht und jeden morgen als erstes geschaut, ob sie überfahren auf der Straße liegt. Einmal kam ich gerade von der Suche wieder zurück, als unsere Nachbarin meinte, Minnie wäre gerade aus dem Gebüsch vor der Küche gehüpft. Sie hat sich drangehalten und 2 Wochen lang die Phantomkatze gespielt, während mehrere heftige Gewitter tobten und in der Katzenfalle im Garten nur einmal ein Igel landete.
Aber dann nach fast zwei Wochen hatten wir eine Idee. Wenn Minnie uns schon nicht mehr mochte, es gab da einen, den mochte sie mehr als alle anderen, nämlich unseren Ramsi. Die Kater hatten zu dem Zeitpunkt keinen Freigang, weil ich es zu gefährlich fand, aber wir ließen den Ramsi hinaus und ich ging mit ihm durch den Garten und sagte ihm, er soll Minnie suchen. Nach kurzer Zeit zeigte er mir eine Art Bau unter einem Holzschuppen, wo er ganz aufgeregt reagierte. Wäre es Minnie zuzutrauen, die ganze Zeit unter dem Holzschuppen zu sitzen ? Ja, vermutlich war es das. Wer schon im Kamin sitzt, dem ist alles zuzutrauen.
Nach 2 Tagen Regenwetter habe ich dann die Falle abends neu bestückt, und nachts um drei kam ein aufgeregter Sven ins Schlafzimmer gerast : "Ich glaube, wir haben sie !"
Und wir hatten sie. Sie war völlig abgemagert und schrie beim Transport ins Haus jämmerlich, sie hatte unendlich viele Zecken, aber sie hat mit in der Nacht erstmal 2 Stunden lang etwas erzählt, nachdem sie sich den Bauch vollgeschlagen hatte.
Nun kam das nächste Problem. Minnie lies sich nicht vernünftig anfassen, um die Zecken aus dem Fell zu holen. Sie hatte die ganze Zeit vorher schon Mätzchen gemacht, aber mit dem ganzen "Wir kaufen ein Haus" Stress ist mir das alles durchgegangen. Sie hatte sich mit BamBam verkracht, mochte keine Käserollis mehr essen usw. usf.
Im September 2007 war dann ihr Fell am Rücken so verfilzt, dass ich sie schweren Herzens zur Vollnarkose zum Tierarzt brachte. Nachdem sie mich beim bis dato einzigen Tierarztbesuch zum Impfen heftig in die Hand gebissen hatte, war klar, Madame kann nur in Narkose behandelt werden.
Medizinisches :
Um es kurz zu machen : Minnies Zähne fielen der Tierärztin fast alle schon entgegen. Sie hatte ein wirklich übel aussehendes Mäulchen. Jetzt hat sie noch insgesamt 5 Zähne, und da mir meine Schlamperei so leid tut, achte ich jetzt sehr auf sie und kraule sie auch täglich am Kinn um ggf. geschwollene Lymphknoten aufzuspüren.
Ihr ganzer Streit mit BamBam ging wohl davon aus, dass er sie zur Begrüßung immer freundlich mit dem Kopf gegen den Schädel rammt, und wie weh das getan haben muss, mag ich mir nicht vorstellen.
Ansonsten wurde Minnie 2004, 2006 und 2009 geimpft, und beim großen Tierarztbesuch 2007 wurde ein Blutbild gemacht (o.B.), und ihr Fell mal ordentlich ausgebürstet (die Verfilzungen kamen vom "Entzündungsspeichel" und Eiter aus dem Mäulchen und sind seitdem nicht mehr aufgetreten). Nächsten Monat wollen wir wieder zum Impfen, ich bin schon ganz gespannt...
Sonst war sie immer gesund bis jetzt, zweimal hatte sie Würmer (aber das finde ich eher normal als krank).
Und wie bereits oben erwähnt : bislang geht eine tierärztliche Untersuchung bei ihr leider nur in Vollnarkose.
Minnie ist FIV und FeLV negativ, kastriert, tätowiert und gechippt.



Update Ende 2009 : Oben schrieb ich "Minnie ist so, und bleibt wohl auch so, dass sie ein relativ nervöses Tier ist, und wenn sie Angst hat, sofort anfängt, um ihr Leben zu kämpfen. Sie klinkt dann einfach aus."
Das hat sich gegeben. In diesem Jahr war ich mit ihr beim Tierarzt, ich hatte ihren Ramsi zur Verstärkung mitgenommen. Er wurde zuerst untersucht, dabei durfte sie zuschauen, und danach kam sie dran. Wir haben sie ein paar Zentimeter aus der Box gezogen, sie wurde abgehorcht, dreimal gepiekst und erst dann zwickte sie mich leicht in die Hand, um reichlich zivilisiert anzuzeigen, dass es ihr jetzt reicht. Ich war so stolz auf unsere Minnie !
Oh, und vorher, als ich sie zu Hause in die Transportbox bugsieren wollte, wurde sie so angststarr, dass ich sie einfach nehmen und hineinsetzen konnte - unfassbar.
Letzte Woche musste ich sie entwurmen, und wieder wurde sie nach einem Fluchtversuch, den ich geschickt in einer Sackgasse enden ließ, so angststarr, dass ich einfach das Profender in ihrem Nacken applizieren konnte. Sie hat ein bisschen gemienzt, aber das ist ihr gutes Recht. Weder hat sie mich geschlagen noch gebissen oder ist in Panik geraten. Anscheinend wird doch noch eine normale Katze aus ihr.
Mittlerweile ist sie so schmusesüchtig, dass sie fast jedes Mal angerannt kommt, wenn man sich auf die Couch plumpsen lässt, und wenn Gismo nicht wäre, der sie gelegentlich verscheucht und jagt, dann würde sie auf irgendeinem Schoß festwachsen. Und ewig schnurren kann sie auch.
Update September 2013 : Letztes Jahr war Minnie im Frühjahr und Herbst gerne spätabends im Garten, aber anscheinend war irgendwas und sie hat in diesem Jahr das Haus praktisch nicht verlassen. Tut mir leid. Außerdem hatte sie reichlich lange gelegentlichen Husten und ich weiß nicht wieso. Das Einsammeln im Wintergarten ist unmöglich, weswegen ich mit ihr nicht mal eben zum Tierarzt kann. Tut mir sehr leid das Ganze, aber was soll ich machen ? Bösartiges Überlisten ? Unser neuer Tierarzt im Nachbardorf kann eigentlich ganz gut mit Katzen, aber er quasselt zu viel und konzentriert sich zu wenig, um mit Minnie umzugehen. Momentan geht es ihr wieder soweit gut, wie es der Gissie zulässt.