Ramsi



Katzen fangen


(Dieser Artikel wurde ursprünglich für die Website des Tierheims Aachen verfasst.)

Auch das Tierheim Aachen hilft gerne, wenn irgendwo versprengte Katzen einzufangen sind. Die liebsten, weil unkompliziertesten Fälle sind jene, wo eine scheue Katze in einem Garten oder einer Scheune zuläuft,
welche sich dann kurze Zeit später als ehemals schwanger herausstellt. Die neuen "Eigentümer" fangen spätestens zu dem Zeitpunkt an, sich Gedanken über eine Kastration zu machen, und wenden sich dann
hilfesuchend ans Tierheim. Unkompliziert sind die Fälle dann, wenn sich die Menschen schon so an die Tiere gewöhnt und sie ins Herz geschlossen haben, dass sie sie gerne weiterhin auf ihrem Grundstück
versorgen möchten. Fies sind dagegen Fälle, wo Menschen anrufen, die sich von freilebenden Katzen gestört fühlen und der Meinung sind, dass Tierheim müsste die Tiere abholen.
Was diese Tiere, die ja meist nicht gerade zahm sind somit schwer vermittelbar sind, dann im Tierheim sollen, fragen sich diese Menschen nicht.
Ganz abgesehen davon, dass gerade ältere Tiere, die ihr Leben in freier Wildbahn verbracht haben, auf eine Unterbringung im Tierheim oft mit starken Depressionen oder Aggressionen reagieren und ihr Leben dort somit in Gefahr ist. In solchen Fällen versucht die Katzengruppe des Tierheims dennoch, für alle Beteiligten eine gute Lösung zu erreichen.
Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass diese Aufgabe von Ehrenamtlichen übernommen wird, die das in ihrer Freizeit erledigen, und somit nicht immer sofort jemand vorbeikommen kann.

Im Jahr 2006 gab es einige Fälle, die aus verschiedenen Gründen besonders im Gedächtnis bleiben und die im folgenden kurz geschildert werden.

Trauriger Start ins Leben
Eine Katze von einem Bauernhof ein paar Häuser weiter hatte in einer Scheune in einem anderen Hof Junge zur Welt gebracht. Leider war die junge Mutter dann im Stress der Jungenaufzucht unaufmerksam
über die Straße gelaufen und überfahren worden. Eine junge Familie, die das Drama mitbekommen hatte, rief schließlich nach ein paar Tagen im Tierheim an, um zu fragen, was sie denn jetzt machen sollen.
"Erstmal etwas Katzenfutter zur Verfügung stellen, wir kommen dann vorbei." lautete die Antwort. Als ein Mitglied der Katzentruppe dann auf dem Hof in der Voreifel ankam, bot sich auf dem Scheunenboden
folgendes Bild: ein ca. 6 Kubikmeter großer wilder Holzstapel, in dem irgendwo 3 kleine Katzen stecken sollten. Mit vereinten Kräften wurden die Kleinen binnen ein paar Tagen eingefangen und im Tierheim wieder vereint. Wie sich herausstellte, war es Rettung in letzter Minute, denn die Kleinen hatte schon schweren Katzenschnupfen. Ein Lob an die Katzenpflegerinnen an dieser Stelle, denn obwohl sich diese kleinen Katzenwelpen als besonders widerspenstig herausstellten und sich nach Kräften wehrten, wurden sie dennoch täglich verarztet und schließlich, als sie wieder gesund und mittlerweile auch ein bisschen zahm waren, gut vermittelt.

Glück im Unglück
Eine Frau rief an, im Hinterhof ihrer Wohnanlage trieb sich seit einiger Zeit eine Katze herum, die sie auch fütterte, aber nicht behalten konnte.
Nachdem die Katze eingefangen war, wurde die Dame furchtbar traurig und war sich überhaupt nicht sicher, das Richtige getan zu haben, denn "Ich nehme doch so ungern einem Tier seine Freiheit."
Ihr wurde also versprochen, sie auf dem Laufenden zu halten, und wie sich herausstellte, gab es die Neuigkeiten schon am nächsten Tag.
Denn die Katze war gechippt und bei Tasso als vermisst gemeldet - und zwar in Eupen und bereits 10 Wochen zuvor! Die Besitzer waren überglücklich, dass die Katze wieder aufgetaucht war, und holten sie gleich am nächsten Tag ab. Sie hatten mit dem Tier zum Tierarzt gewollt und es war vor der Tür aus der Box entwischt. Die Kleine hat sich gut durchgeschlagen, aber war sicherlich auch froh, wieder in ihren eigenen vier Wänden anzukommen.

Traurige Tubu
In einem Hinterhof in Aachen lebte schon seit über 10 Jahren eine Katze. Ein Ehepaar in einer Erdgeschosswohnung kümmerte sich um sie, und als sie auszogen, wollten die Nachmieter sich um die Katze kümmern - sagten sie. Schließlich rief eine Nachbarin im Tierheim an, weil sei sich sorgte - die Katze schrie täglich im Hinterhof nach Futter, und mitleidige Menschen ließen bereits Futter in Plastiktüten in den Hof hinunter. Die Katzenfängerin beeilte sich also besonders, schwebte ihr doch das Bild einer halbverhungerten Katze vor Augen. Als sie die besagten Nachmieter dann zu Hause antraf, klebte die Katze förmlich von außen an der Terrassentür und - sie war so dick, dass absolut unklar war, ob sie wohl in eine normale Falle passt.
Die Leute haben nicht lange gefackelt, die Katze dem Tierheim zu überlassen, und sie passte überraschenderweise doch in eine normale Falle, wobei in diesem Fall die Katzenfängerin ein schlechtes Gefühl hatte, diese ältere und ziemlich scheue Katze ins Tierheim einzuliefern, denn sie hatte quasi "schwer vermittelbar" auf der Stirn stehen..
Im Tierheim angekommen, stellte sich heraus, das die deutlich sichtbare Kopfwunde des Tieres von einer Schussverletzung herrührte, denn die Kugel steckte noch in der Wunde.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wer um alles in der Welt wohl in Aachener Hinterhöfen scharf schießt - es hätte durchaus auch ein Kind getroffen werden können.
Die Katze wurde Tubu genannt und ist jetzt seit dem 3.Advent 2006 im Tierheim. So ist das, wenn man ncht mehr die Jüngste und zudem noch menschenscheu ist.
Wobei diese Katze sicher schnell auftauen würde, wenn man die entsprechenden Leckerchen auffährt. Und immerhin muss sie im Tierheim nicht befürchten, dass sie jemand hinterrücks abknallt.

Diesen drei Fällen ist Eines gemeinsam : die Menschen, die im Tierheim anriefen haben nicht weggeschaut. Sie haben das einzig Richtige getan, und sich Hilfe gesucht und den Tieren somit geholfen.
Diesen Katzen ist das Leben gerettet worden, und das verdanken sie Menschen, die nicht gedacht haben "Das ist ja nicht mein Tier, das geht mich nichts an." Wenn Sie, geneigter Leser, also mal mit
einer ähnlichen Situation konfrontiert werden sollten, greifen sie zum Telefon und geben Sie dem Tier eine Chance.
(Update - nicht zum Ursprungsartikel gehörend - Tubu wurde nach etwa 10 Monaten im Tierheim auf einen Hof mit Katzenfreiheit und Familienanschluss vermittelt.)